Heute mal eine kleine Beobachtung aus dem Alltag und wie sie zu verstehen und deuten sein könnte. Individualität ist in der Mode, beim Autokauf, wie auch in nahezu jedem anderen Markt derzeit eine feste Größe der Produktausrichtung- und kommunikation. An die HTC-Werbung erinnern sich vielleicht noch ein paar, in dem ein Modell mit auswechselbarem Äußerem vorgestellt wurde. Also eine “Funktion” für die Umsetzung der persönlichen Geschmacksausrichtung. Individualität eines Produkts ist also DAS Buzzword im Marketing schlechthin. Sicherlich auch nicht verkehrt. Aber … ist Individualität überhaupt der individuellen Nachfrage geschuldet oder wird uns das marketingtechnisch nur eingeredet?

Sicherlich ist jeder Mensch individuell. Auch jedes Produkt auf seine Art und Weise. Das ist einmal durch Genetik und physikalische Gesetze begründet und zum anderen durch marktdynamische Faktoren (etwa Patente). Welche das im Detail sind, spielt keine weitere Rolle hier. Einzig und allein die Tatsache ist entscheidend. Würde man nun auch nicht weiter graben, wäre die These, dass jedes Individuum einen möglichst individuellen Gegenstand besitzen möchte, nahezu bewiesen. Aber ist dem wirklich so?

Fangen wir von vorne an.

Zwei unterschiedliche Individualitäten und was die Unternehmen damit zu tun haben

Nehmen wir den Smartphone-Sektor. Es gibt verschiedene Firmen, welche sind eigentlich egal, aber am praktischen Beispiel ist es einfacher: Apple, Samsung, HTC, LG, Sony Ericcson, etc. Jede Firma ist für sich speziell und bietet deshalb auch meist abgrenzende Produkte an. Trotz gleichem Betriebssystem gleichen sich Samsung und HTC optisch und oft auch technisch nur minimal. Das ist aber auch gewollt, denn nicht nur, die Tatsache, dass unterschiedliche Produkte durch unterschiedliche Input-Faktoren entstehen, sie sollen es auch. Das soll dem Produkt einerseits Wiedererkennbarkeit bezogen auf eine bestimmte Marke verleihen und andererseits möglicherweise Vorzüge zum Konkurrenten herausarbeiten. Das ist seit Anbeginn der Marktwirtschaft so und auch für den Kunden einfacher. Eine Ente die optisch einem Mercedes gleicht, aber eben nicht die entsprechende Technik verbaut hat, ist von einem Leihen möglicherweise nicht zu unterscheiden und gefundenes Fressen für Gebrauchtwagenbetrüger. Auch Patente spielen hier natürlich eine große Rolle wie man derzeit beobachten kann.

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Und dann wäre da noch ein Punkt, welcher auch entscheidend für diesen Artikel ist: Die Unternehmen werben damit, in ihrem bereits vorhandenen Mikrokosmos an Produktauswahl, das einzelne Produkt nochmals weiter zu individualisieren. Etwa wie das Beispiel von HTC am Anfang, oder durch unterschiedliche Farbvariationen oder unterschiedliche Gehäuse, im engeren Sinne auch durch andere Software (Apps). Das ist irgendwie auch verständlich. Der eine mag blau der andere grün, aber beide wollen ein und dasselbe Smartphone, weil es vielleicht das aktuell schnellste ist.

Und eben genau mit letzterem Punkt werden derzeit überall entsprechende Möglichkeiten der einzelnen Modelle beworben und nahmen beim Galaxy S2 solche Ausmaße an, dass es nun in pink erhältlich ist. Und Apps spielen hier sicherlich auch eine große Rolle, vor allem bei Android mit welchen man nahezu das komplette optische Design ändern kann. Hier muss ich auch den Begriff Customizing einbringen, denn bei dieser Kategorie gewinnt Android meist hochhaus gegenüber den direkten Mitbewerbern. Auch das ist erstmal soweit so gut.

Nun aber kommt der entscheidende Punkt.

Was wollen die Kunden wirklich

Den Smartphone-Bereich habe ich natürlich nicht umsonst genommen, denn hier zeigt sich deutlich, dass ein Produkt wohl mit Abstand am meisten verkauft wird: das iPhone. Warum und wieso ist hier ebenfalls egal. Aber laut der Theorie der maximal möglichen Individualität, und einige weitere marktentscheidenden Faktoren wie etwa Leistungsfähigkeit, Lieferbarkeit und Reputation eines Produkts, dürfte es nicht sein, dass das iPhone so oft verkauft wird. Denn bei diesen enormen Verkaufszahlen kann der einzelne einfach nicht mehr individuell sein. Auch bietet Apple nahezu keine Möglichkeiten an, das auserwählte Produkt weiter anzupassen. Optisch gibt es nur 2 Möglichkeiten sich abzugrenzen: schwarzes und weißes Gehäuse, mehr nicht! Ob 64GB oder 32GB ist irrelevant. Das ist der erste Punkt.

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Der zweite ist, dass wie oben schon beschrieben Android in puncto Customizing führend ist. – Zwischendurch: es soll hier keinerlei Fanboy-Geflame angeregt werden. – Weiterhin ist das System genauso gut ist wie iOS, wenn auch beide in unterschiedlichen Disziplinen führend sind, aber unterm Strich gleichwertig sind. Heißt im Klartext: Kunden entscheiden sich GEGEN ein System das gleichwertig ist, aber in Sachen Customizing führend, obwohl alle Kunden doch so sehr FÜR Anpassbarkeit sein sollten.

Zwei herausragende Punkte die gegen die Theorie der individuellen Anpassbarkeit eines individuellen Produktes sind.

Was ich eigentlich will

Ich hätte das ganze an der ein oder anderen Stelle ausführlicher und deutlicher schreiben können und an der wieder anderen etwas kürzen können. Aber was ich auf den Punkt gebracht sagen will ist, dass abgesehen von prozentual kleinen Potentialkunden, ein Produkt nicht individuell sein muss, sondern vorrangig “gut” oder wie im Beispiel Apple vs. den Rest bekannt sein und einen gewissen Reiz durch Lifestyle-Zugehörigkeit vermitteln muss. Um ein paar Punkte zu nennen die auf das erfolgreiche iPhone zutreffen oder mindestens angehängt werden. Ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass man beim iPhone ein iOS bekommt, das jeder exakt so auf seinem Smartphone vorfindet wie der Nutzer selbst und in Sachen Support oder Austausch schneller einen Nenner finden kann, nicht so wie man es ehrlicherweise Android unterstellen muss. Auch hier zeigt sich dann, das Funktionalität vor Individualität steht.

Nun, wie seht ihr das?

Meine These ist aufgestellt und soweit mit Argumenten, Erklärungen und Beispielen untermauert (wie man es von früher von der Erörterung kennt 😀 ). Was jetzt vielleicht noch wichtiger ist, ist wie ihr das im Allgemeinen und direkt bei euch seht? Vielleicht weitere Pro oder Kontra Argumente? Oder denkt ihr euch: “wenn schon Individualität dann in Grenzen (Gleiches Handy, aber andere Apps)?”

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Freue mich auf eure Meinungen. 🙂

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