Für jeden angehenden Unternehmer stellt sich die Frage: Welche Rechtsform soll ich für meinen künftigen Betrieb wählen? Rund 70 Prozent entscheiden sich hier für die wohl einfachste Variante: Das Einzelunternehmen. Soll die Gründung mit mehreren Beteiligten erfolgen, dann fällt die Wahl in der Regel auf eine Personengesellschaft. Beide Rechtsformen sind allerdings mit dem Nachteil einer unbeschränkten Haftung verbunden. Ist das Unternehmen einmal nicht mehr in der Lage, für seine finanziellen Verpflichtungen aufzukommen, dann müssen der oder die Gesellschafter in unbegrenzter Höhe mit ihrem privaten Vermögen einspringen. Anders ist dies bei einer Kapitalgesellschaft. Hier haften die Beteiligten jeweils nur mit dem Betrag, den sie als Stammkapital in das Unternehmen eingelegt haben. Die beiden häufigsten Kapitalgesellschaften sind die GmbH und die Aktiengesellschaft. Diese bedingen allerdings ein Stammkapital in Höhe von 25.000 Euro bzw. 50.000 Euro und eignen sich insofern oft nicht für Existenzgründer und Jungunternehmer. Seit 2008 bietet der deutsche Gesetzgeber hier allerdings eine interessante Alternative: Die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, auch als Mini GmbH oder 1-Euro GmbH bekannt. Der entscheidende Vorteil: Bei voller Haftungsbeschränkung lässt sich eine solche Gesellschaft bereits mit einem Stammkapitel in Höhe von nur einem Euro eröffnen. Die eigentliche Gründung ist dabei ausgesprochen einfach und darüber hinaus auch vergleichsweise preiswert.

Soll die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft mit maximal drei Gesellschaftern und einem Geschäftsführer gegründet werden, dann kann auf ein sogenanntes Musterprotokoll des Gesetzgebers zurückgegriffen werden. Hierbei handelt es sich um eine einfache Zusammenstellung der notwendigen Formulare, die durch Notare besonders preiswert bearbeitet und beglaubigt werden. Zur eigentlichen Gründung müssen die Beteiligten eine Gesellschafterversammlung abhalten und hierbei gemeinsam die Formulare des Musterprotokolls ausfüllen. Im nächsten Schritt muss nun ein Notar aufgesucht werden, der die Unterlagen beglaubigt und die Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister beantragt. Sobald das Amtsgericht die Eintragung vorgenommen hat, muss die Gründung der Gesellschaft jetzt nur noch im Bundesanzeiger oder in der lokalen Presse veröffentlicht werden.

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Die Kosten für den Gründungsakt sind vergleichsweise gering. Das Musterprotokoll steht kostenlos zur Verfügung. Für die Beglaubigung des Gesellschaftervertrages fallen durch den Notar Kosten in Höhe von 84,00 bis 164,00 Euro an. Die Beglaubigung des Protokolls der Gesellschafterversammlung schlägt mit weiteren 164,00 Euro zu Buche. Für die Eintragung in das Handelsregister berechnen die Amtsgerichte rund 100,00 Euro. Eine Anzeige im Bundesanzeiger oder in der lokalen Presse kostet zwischen 100,00 und 250,00 Euro. Insgesamt liegen die Gründungskosten für eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft also zwischen 490,00 Euro und 720 Euro. Etwas teurer wird es, wenn mehr als drei Gesellschafter beteiligt sind oder mehr als ein Geschäftsführer bestellt werden soll. In diesem Fall müssen individuelle Verträge erstellt werden, was Kosten bei einem Anwalt oder einem Notar verursacht. Darüber hinaus ist in diesem Fall auch die Beglaubigung der Unterlagen durch den Notar teurer. Vor der Entscheidung für eine Mini GmbH sollten sich die beteiligten Gesellschafter mit den Pflichten vertraut machen, die für den Betrieb einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft gelten. Hierzu zählen insbesondere die Verpflichtung zu doppelter Buchführung und Erstellung einer Bilanz. Darüber hinaus müssen Rücklagen in Höhe von 25 Prozent des Jahresüberschusses gebildet werden, bis das Gesamtkapital der Gesellschaft insgesamt 25.000 Euro beträgt. Ist dieses Kapital erreicht, dann kann die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft auf Wunsch in eine vollwertige GmbH umgewandelt werden.

In der aktuellen Ausgabe (Nr. 101, März 2012) hat sich das bekannte und renommierte Online-Magazin INTERNETHANDEL mit der haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft beschäftigt und erklärt im Rahmen einer umfangreichen Titelstory, was es im Detail mit dieser Rechtsform auf sich hat. Interessierte Leser werden mit den Hintergründen der Mini GmbH vertraut gemacht und erhalten detaillierte Informationen über die rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Rechte und Pflichten beteiligter Gesellschafter. Anhand praktischer Beispiele wird darüber hinaus erläutert, warum sich die haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft insbesondere als Rechtsform für Existenzgründer im Online-Handel eignet.

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